Mit dem Tesla in die Cloud?

20. April 2016 um 16.35 Uhr
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Tesla Personal Swiss

Tesla eines Lösungsanbieters an der Personal Swiss

Fragt man einen Tesla-Fahrer, sind die Meinungen gemacht. Herkömmliche Autos sind „total vorbei“ und ungefähr so fossil, wie die Treibstoffe welche sie verbrennen. Die Zukunft gehört der Elektromobilität.
Dem gewöhnlichen Autofahrer aber kommen Zweifel. Wie steht es um die Qualität, gibt es schon Langzeiterfahrungen? Wann wir die Dichte an Elektro-Tankstellen ausreichend sein? Kann ich mit dem Elektro-Boliden die Ferienfahrt, hunderte Kilometer in den Süden, bestehen? Bin ich mittelfristig mit einem Hybridantrieb vielleicht besser bedient?

Ähnlich verhält es sich mit der Cloud. Der Hype ist allgegenwärtig. Wir ahnen, es ist das Modell der Zukunft – trotzdem möchten die wenigsten Firmen und Organisationen zum heutigen Zeitpunkt ihre kritischen IT-Systeme aus der Hand geben.
Es zeichnet sich ab, dass die IT sich auf Jahre des Betriebs „hybrider“ Lösungen einstellen muss. Am Beispiel des Personalwesens: Die Fachabteilungen wollen neue Anwendungen wie E-Recruiting, Talent Management, Learning Management aus der (public) Cloud. Für die IT gilt es, die Integration mit den Stammdaten des bestehenden ERP-Systems zu realisieren und kritische Applikationen wie die Lohnverarbeitung weiter zu betreiben. Im eigenen Rechenzentrum oder auch bei einem Outsourcer (private Cloud).

Hybrid ERP und Integration
Die Studie „Beyond ERP“ [1] des globalen «Strategy&» Teams von PWC nennt diesen Ansatz «hybrid ERP». Dabei verbleiben unternehmenskritische IT-Leistungen und Daten im eigenen Rechenzentrum („On Premise“) und werden mit Applikationen aus der Cloud erweitert. Dieser Ansatz verspricht viele Vorteile:

  • Neue Technologien wie z.B. mobile Anwendungen können schneller umgesetzt werden
  • Grössere Benutzer-Populationen, welche Zugriff von ausserhalb des Unternehmensnetzwerks brauchten (z.B. für Kollaboration, Self Service, Learning Management) können einfach eingebunden werden
  • Applikationen welche nahe einem Markt sind, wie z.B. E-Recruiting oder Learning Management werden zur Weiterentwicklung an Dritte ausgelagert (Interaktion mit Partnern, Kollaborationsplattformen, B2B-Schnittstellen)
  • Systeme mit einer hohen Dynamik und dementsprechend hohen Änderungs- und Pflegeaufwand werden an Drittanbieter ausgelagert
  • Die internen IT-Ressourcen werden geschont und können sich auf den Betrieb, die Optmierung und die Integration der „On Premise“ Systeme konzentrieren

 

Cloud Angebot von SAP

 

Cloud und Integration bei SAP
Der ERP-Hersteller ist durch die Übernahme verschiedener Cloud-Anbieter (Ariba, SuccessFactors, Concur) ins Cloud-Zeitalter durchgestartet. Technologie-Initiativen wie NetWeaver und HANA legen das Fundament für eine neue Architektur. Nicht alle der als Cloud angepriesenen Komponenten sind aber „native“, d.h. wurden ursprünglich für die Cloud programmiert. In den nächsten Jahren wird SAP noch einige Anpassungen vornehmen

Native Cloud Anwendungen
Die zugekauften Lösungen Ariba, SuccessFactors und Concur werden in der Public-Cloud als Software as a Service (SaaS) angeboten. Dies ist möglich, weil sie „native“ für die Cloud entwickelt wurden, die Architektur ist auf unabhängige Mandanten ausgelegt (100% Multi Tenancy).

„Cloudifizierte“ Anwendungen
Diese Anwendungen wurden nicht „native“ für die Cloud entwickelt und unterstützen keine echte Multi-Tenancy. Sie lassen sich aber dennoch in der Cloud betreiben.
Für die Nutzung der SAP HANA Enterprise Cloud (HEC) ist keine eigene Hardware notwendig, auch die Lizenzen können gemietet werden (Subscription). Dieses Modell erlaubt einen schnellen Einstieg in die SAP-Welt ohne hohe Investitionen und eignet sich beispielsweise für Proof-of-Concept Systeme.
Mit der S/4 HANA Cloud Edition steht eine (public) Cloud Variante der neuen Business Suite zur Verfügung. Die fehlende Multi-Tenancy der SAP-Anwendungen wird hier durch die Stärken von HANA kompensiert, welches auf der Datenbankebene eine hundertprozentige Trennung zwischen verschiedenen Kunden ermöglicht.

SAP HANA Cloud Integration ist eine Integrationsschnittstelle zwischen Cloud und „On Premise“ Anwendungen. Damit können beispielsweise SuccessFactors in der Cloud und HCM „On Premise“ verbunden werden.

Das SAP HANA Cloud Portal bietet den Anwendern eine einheitliche Oberfläche über mehrere mehreren Cloud- und/oder „On Premise“ Lösungen. Es kann z.B. genutzt werden, um schnell und einfach Webseiten zu erstellen.

Neben den genannten Applikationen hat SAP weitere Cloud-Angebote, welche für Entwickler gedacht sind. Auf diese wollen wir hier nicht eingehen.

Fazit

Die Vorteile der Erweiterung von „On Premise“ Lösungen durch die Cloud sind bestechend. SAP ist für diese hybride Architektur gut aufgestellt und hat auch Integrationskomponenten im Lösungsportfolio. Die neue Architektur steht aber erst am Anfang und hat noch einige Schwächen. Unser Fazit:

  1. Eine 100% Investition in die Cloud ist zum heutigen Zeitpunkt nicht angesagt; mindestens nicht für grössere und für SAP-Bestandeskunden
  2. Für die Informatikabteilungen und die SAP-Berater ist das Integrations-Know How für hybride Umgebungen in den nächsten Jahren essentiell.

Und um auf den Beginn dieses Artikels zurückzukommen:
In den nächsten 2-3 Jahren kann es an Stelle des Tesla auch noch ein „Plug-In Hybrid“ oder sogar ein konventioneller Benziner sein. Nachher wird man die Situation wieder neu beurteilen müssen.

[1] Beyond ERP (2014), PWC „Strategy&“

 

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